QUO VADIS - TRAKEHNER SPORTPFERDEZUCHT

 

Mahnenede Worte von dem Ehrenvorsitzenden des Trakehnerverbandes Gottfried Hoogen +:
- Die Menschen machen die Pferde -


Es gilt die Erhaltung und Verbesserung der einzigen lebenden ostpreußischen Kulturrasse, in Erinnerung an Ostpreußen. Manchmal kommt mir der Gedanke: „Vielleicht war es ein Glück für unsere Zucht, dass so wertvolles Zuchtmaterial nach Kirow kam und dort in einer geschlossenen Population weiterentwickelt wurde.“

Die russischen Hippologen wussten das wertvolle Genmaterial der Trakehne zu schätzen.


Zwischen Herrn Gottfried Hoogen und Herrn. H. E. Wezel bestand eine tiefe hippologische Freundschaft und auf zahlreichen Reisen, insbesondere nach Ungarn, Polen, der früheren Tschechoslowakei und Russland, hatten beide Herren Gelegenheit ihre allgemeinen Kenntnisse in Bezug auf die gesamte weltweite Population zu erweitern.

Es entstanden Freundschaften, zum Beispiel zu dem Allroundhippologen Hernn Brabenetz aus Wien. Er war überhaupt der große Wegbereiter zu den Gestüten Osteuropas, dem Leiter des ehemaligen Militärgestüts Hostau, später Albertovec, in der ehemaligen Tschechoslowakei, Herrn Direktor Tierarzt Dr. vet. Vera Brejochová, dem S-Dressurreiter Ing. Lamisch und schließlich zu den Leitern vom Hauptgestüt Liski in Polen, Jacek Pacynski Senior (Welthippologe) und Dr. vet. Antoni Pacynski.

(Foto: Fam. Busacci Italien)


Nach dem 2. Weltkrieg kam es zu einem Verlust wertvollster Blutlinien aus Trakehnen. Die Notwendigkeit der Rückgewinnung des verlorengegangenen wertvollen Erbguts wurde vom Gestüt Schralling bereits im Jahre 1950 erkannt und bis zum heutigen Tage die Zuchtphilosophie des Gestütshernn H. E. Wezel.

 

Wezels Engagement

Leistung vor Typ! Nach diesem Motto geht es  - so Hans E. Wezel (Züchter von Peron) aus dem bayrischen Burgkirchen, der gemeinsam mit Karl Wilhelm die Trakehner Stutbücher aus Kirow überarbeitet, ausgewertet und kommentiert hat - in Kirow: „ Man sollte deshalb die alten Stutbücher und Zuchtrezepte des Hauptgestüts Trakehner studieren, denn dann stößt man darauf, dass nicht etwas die Russen die Leistungszucht erfunden hätten, sonder sie haben sie nur gründlich studiert, während dies bei uns mehr und mehr in Vergessenheit geraten ist.“


Schließlich kam als erster Vorbote aus Kirow - Russland - die Stute Rupia von 21 Prival 11 nach Albertovec und deren Tochter Rupie, im Zuge des Hengstaustausches Karneol gegen Topas, in das bayrische Trakehnergestüt Schralling der Familie Wezel.

Rupia stammt aus der Familie der Heideröschen F. geb, 1938 (Fatma Fa.) (siehe Bild unten)

Weitere wertvollen Blutgene aus Russland kamen aus den Gestüten Dowator und Janow-Podlaski:

Die Familie Dostupnaja 650 von 29 Pamir 15 - von 33 Piligrim 47 - Pythagoras un der Familie der Hermandot - Hyperion von Amurath

Aus Estland: Gestüt Heimtali - Peep Puna
Die Stute Evita Peroni von Peron (Palladium) Familie der Antologiga 968 (geb. 1938), ehemals Gestüt Beberbeck. Ihre Abstammung dürfte ein seltenes Kleinod für die Trakehnerzucht bedeuten. (siehe Pedigree)

Aus Polen (Ostpreußen): Die Stute Pina Colada von Apogej geb. Dowator - 3x Raufbold xx. Familie der Luftsprung von Pluto und die Stute Czekolada (Cadinen) von Ignam (Gestüt Liski).

Gestüt Liski aus der Familie Losche von Lausbub die Stute Liesken und von Karabiner die Familie Lore (1910).


Weiterhin wurden die folgenden großen Sportpferdevererber der Gestüte Kirow und Dowator in der Zucht eingesetzt:



- Abrek (siehe Pedigree)
- Hockey 41
- Cheops - Cherson
- Pepel - Wypas 43
- Biotop
- Almox Prints
- Topas 14 - Topas (siehe Bild)
- Topki - und sein Sohn Schenkendorf
- Aktiv 1990 owner Robert Chelber USA
- Quoniam - Quido _ Onega geb. 1964
- Waitaki (Raufbold xx) Oleander xx
- Egoist - Ostrijak - Ossian - Pilger
- Epigraph (Perkeo)
- Perkeo - Pilger
- Blesk - Singolo
- Prökelwitz (Sohn von Hockey 41 und der Pillau von Apogej) (siehe Bild)

In Tschechien wurde Ende 2014 ein Trakehner Hengst gekört, der aus der Zucht von Herrn Hans-Ernst Wezel in Burgkirchen/Bayern stammt. Der Junghengst, den sein Züchter auf den Namen Prökelwitz taufte, wurde im Herbst vergangenen Jahres nach Tschechien exportiert. Und in zwischen wurde er von der Körkommission mit einer Gesamtwertnote von 8,14 bedacht. Es handelt sich um einen direkten Sohn des großen Hockey aus TG-Besamung. Die Mutter Pillau ist eine von Wezel seinerzeit aus Polen importierte Apogejs-Tochter mit bestem Leistungsblut. Damit vebindet dieser in Deutschland gezogene Trakehner Hengst, der in Tschechien gekört wurde, einen berühmten russischen Vater und eine wertvolle polnische Mutter.



Diese züchterischen Sporterfolge weltweit wurden nach 50 Jahren im Jahre 2010 durch den Artikel „Keeping Trakehners on Track“, erschienen im Trakehnerheft 2010, nicht nur bestätigt, sonder der Trakehnerzuchtleitung und der Züchterschaft zum Erhalt des Trakehner Sportpferdes dringlich empfohlen. Der Autor des Artikels Herr Professor Dr. Thomas Reed, ist Zuchtleiter des Warmblood Studbook of Ireland und Mitglied des Trakehnerverbandes seit 2006.

Literatur:
1. Keeping Trakehner on Track, Dr. Professor Thomas Reed (Horse international, Trakehnerheft 3/2010) Fotos Artikel Seite 24-28
2. Züchterforum (Züchterstammtisch) 1999, Das Geheimnis der russischen Leistungspferde
3. Das Trakehner Stutbuch Russland, Kirow 1945 - 1980 überarbeitet von H. E. Wezel und Karl Wilhelm

Quellen: Wurden von allen Verfassern genehmigt.


QUO VADIS - TRAKEHNER VERBAND
Hengstmarkt 2017 Neumünster

Hiermit möchte ich meine Meinung zur derzeitigen HLP-Situation darlegen, und das aus Sorge um den Erhalt der von uns in Reinzucht gezüchteten Trakehner. Engverbunden ist diese Problematik natürlich mit der Gesamtsituation unserer Zucht und deshalb möge man es mir verzeihen, wenn ich etwas weiter aushole. Bei einer jährlich anfallenden Anzahl von nur noch unter 900 Fohlen mutet das Editorial in DT Okt. unseres Zuchtleiters im Vorwege der diesjährigen Körung mit dem Hinweis auf die sehr starke Konzentration auf im Wesentlichen doch nur noch einer Hengstlinie, wie übrigens auch schon in den letzten Jahren, doch etwas befremdlich an. Der Hinweis auf vorhandene andere Hengstlinien relativiert das Körergebnis. Von 13 gekörten Hengsten führen 9 Kostolany im Pedigree (5 sogar doppelt), was für die Qualität des Hengstes spricht, aber im Hinblick von ca. 1000 in der Zucht befindlicher Stuten doch nicht unbeachtet bleiben sollte, zumal allein Kostolany über ca. 250 eingetragene Töchter verfügt. Von den ca. 160 im Hengstverteilungsplan 2017 aufgeführten Trakehner Hengsten, die neu gekörten einbezogen, haben 55 Kostolany‘s Blut in den ersten vier Generationen z.T. auch doppelt. Nur ein Hengst mit einer überragenden Vererberqualität kann sich über so eine lange Zeit behaupten, was aber die derzeitige Situation leider verschärft und das mit logischer Weise steigender Tendenz.

Ich kann mir nur sehr schwer vorstellen, dass unser Zuchtleiter die Gefahr der immer enger werdenden Blutführung unserer Population nicht sieht. Ansonsten würde ich ihm empfehlen, sich einmal unerkannt in Neumünster unter das Publikum zu mischen und dabei aufmerksam ringsum zuzuhören. Die Stimmung der viel beschworenen Trakehner Familie befindet sich an der Basis auf dem Sinkflug. Ich meine nicht die ewig über jeden und alles Meckernden, sondern die, die in tiefer Sorge um das Trakehner Pferd stundenlang verzweifelt diskutierenden sogenannten kleinen Züchtern,
die sind es nämlich, die das Trakehner Pferd tragen. Ich möchte nur zwei von vielen Beispielen anführen, die mir so zu Ohren kamen. Ein alter erfahrener Züchter, den unser Zuchtleiter wohl als Trakehner Urgestein bezeichnen würde, äußerte sich folgender Maßen: „Die Grube ist schon ausgehoben, bei der Beerdigung des Trakehners möchte ich nicht mehr dabei sein.“. Ein anderer sinnierte über seine zukünftige Zuchtstrategie angesichts des Siegerhengstes: „Um zu überleben, also aus vermarktungstechnischen Gründen müsste er die meisten seiner Stuten von diesem oder anderen Hengsten dieser Linie decken lassen und die, die man behalten will, von denen man sich was verspricht, sollten anderen interessanten Vaterlinien angehören.“ Um gleich ein Missverständnis auszuräumen, ist auch aus meiner Sicht, der Siegerhengst ein berechtigter, würdiger Sieger und ein Klassepferd, wie auch übrigens schon sein Vater. Es ist schon ein bemerkenswerter und seltener Elfolg von Frau Dr. Bieschewski, einen solch durchschlagenden Vererber wie Millenium gezüchtet zu haben, der inzwischen die gesamte Population dominiert. Hut ab! Der Siegerhengst wird aber dazu führen, dass seine väterliche Abstammung Kostolany- GribaldiEasy Game-Millenium und seine inzwischen zahlreichen Söhne(nicht zu übersehen übrigens auch
Töchter) zur favorisierten Nutzung und damit einer gefährlichen Genverarmung in der Gesamtpopulation führt, umso mehr angesichts des vorwiegend geringen Alters dieser genannten Hengste, bzw. deren TG-Verfügbarkeit, also voraussichtlicher längerer Zuchtnutzung mit steigender Tendenz. Die Problematik liegt in der Situation, dass Züchtern immer weniger in der Wahl ihrer Hengste eine Alternative bleibt. Auch die Versuche, angloarabische, in der Hauptsache springorientierte Gene über TG aus Frankreich zu importieren oder auch einzelne Trakehner Hengste aus Osteuropa sind ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn auch überaus interessant und reizvoll.
Bedauerlich deshalb die Nichtkörung des interessanten Hengstes Octavino, der aus einer leistungsstarken mütterlichen Hauptgestütslinie stammt.
Bleibt letztendlich der Weg über das Vollblut, aber auch hierbei vorzugsweise im Hinblick auf die Vielseitigkeit, denn in den seltensten Fällen wird aus solch einer Anpaarung ein Dressurpferd. Die Domäne des Trakehners war aber sowieso von jeher die der Vielseitigkeit, entstanden aus der Zucht
des Kavalleriepferdes wie wir alle wissen. Es gab aber in der Geschichte der ostpreußischen Pferdezucht immer wieder die ja auch bekannten Beispiele von international erfolgreichen Dressur und Springpferden, die aus der Masse( 26 000 eingetragene Stuten) heraus, in der Regel über die Kavallerieschule Hannover oder im Besitz von privaten Turnierställen, z.B. Bürkner, v. Opel, S. v. Preußen, Wätjen, Lörke usw. hervorgingen. Im Übrigen war dieses die Hochzeit der ostpreußischen Pferdezucht und es ist mit Sicherheit kein Zufall, dass das Gros dieser Turnierpferde Halbblüter oder sogar Dreiviertelblüter waren. Die preußische Gestütsverwaltung stellte mit großem Erfolg entsprechende Vollblutbeschäler, von deren Schönheit und Korrektheit unsere Zucht auch noch heute profitiert.
Die heutige Zeit ist für unsere Pferde, natürlich erschwerend auch durch die gewollte und dringend erforderliche Reinzucht, bestimmt nicht einfach. Die große Konkurrenz der anderen Warmblutverbände haben, z.T. sogar mit Hilfe der Trakehner (Abglanz, Julmond, Pregel) aufgeholt und haben sich spezialisiert im Hintergrund einer sehr viel größeren Stutenbasis. Zu erkennen ist, dass unsere Pferde im Vergleich mit Donnerhall, Florestan, Weltmeyer und Co. bei dem 50 TT Dressur es sehr schwer haben. Das gleiche Bild, sogar noch gravierender, sehen wir beim 50 TT Springen. Die Dominanz der Holsteiner ist hier überwältigend und lässt den Trakehner blass aussehen. Der Weg die HLP über die Sportprüfung Vielseitigkeit zu erreichen ist, wie sich ja gezeigt hat, zu langwierig, zu teuer und deshalb unpopulär.
Es ist eine Binsenweisheit, dass jede Warmblutzucht eine kontinuierliche Zufuhr von Vollblut braucht, sowohl englisches und die Trakehner speziell auch arabisches. Unterbleibt dieses, wird das Reitpferd derber und ordinärer, es verweichlicht, wird unrittig und nebenbei wohl auch unfruchtbarer. Umso bemerkenswert und bedauerlich, war der diesjährige Hengstmarkt mit seiner Blutarmut. Unsere Zuchtleitung sollte dafür die Gründe analysieren, um dieser negativen Entwicklung entgegenwirken zu können. Meiner Meinung nach ist einer von mehreren Gründen für die Vollblutabstinenz der Züchter ihre Beobachtung der Ergebnisse der spezialisierten HLP, die für unsere Rasse, bis auf wenige Ausnahmen, blamabel sind. Es reicht nicht ein gerade mal rüber schrammen über die Mindestanforderung. Die erwünschte Doppelveranlagung unserer Pferde kommt hier nicht mehr zur Geltung. Ganz prekär ist die Situation für das Blutpferd mit seiner bekannten Spätreife, welches aber prädestiniert für die Vielseitigkeit ist. Der Weg über die Sportprüfung Vielseitigkeit findet bei den Hengsthaltern keine Akzeptanz und ist, wie das jüngste Beispiel gezeigt hat, auch nicht sehr erfolgsträchtig. Das Herabsetzen der Mindestanforderung von 7,5 auf 7 ist meines Erachtens ein Imageschaden ohne gleichen, wie auch die einhellige Meinung auf der Hengsthalterversammlung war. Hier wurde auch die HLP vom ZSAA diskutiert. Ich bin mir bewusst, dass viele jetzt sagen werden, ich sei voreingenommen, weil unserer LerChevalier diese Prüfung mit bekanntem Ergebnis abgelegt hat. Bei dieser Versammlung hielt jedoch Ulrike Sahm-Lütteken elnen hoch interessanten Vortrag über Zuchtziele und Vermarktung. Diesen Vortrag sollten sich die Skeptiker der ZSM Prüfung hinter den Spiegef stecken. Wir wissen, dass mehr als 5 % unserer Kunden Reiter des gehobenen Freizeitreitsports sind. Das Pferd, welches sie wollen, ist ein völlig anderes als das eines Hubertus Schmidt. Das Pferd soll gesund sein, es soll scheufrei, ausdauernd und geländegängig sein und noch dazu charakterstark (menschenbezogen), rittig und leistungsbereit. Was es nicht unbedingt können muss, die Wolken vom Himmel treten und es muss auch keine Häuser springen. Alles andere wird beim ZSAA von einer kompetenten Komission abgeprüft, immer in Begleitung einer sehr strengen Veterinärkontrolle. Diese Pferde sind mit Sicherheit nicht das Abfallprodukt der sogenannten Leistungszucht. Diese Prüfungsform wurde vor 20 Jahren bereits von Ceqsehr interessanten Rasse der Shagya-Araber entwickelt und seit dem immer weiter modifiziert.
Der Shagya, ursprünglich eine österrerich-ungarische Kavalleriepferderasse basierend auf zum großen Teil Warmblütern, die dann zur Vereinheitlichung für Militärzwecke ausschließlich mit Arabern veredelt wurden. Man legte schon damals in den staatlichen Ursprungsgestüten Babolna , Radautz, Topolzianki bei der Aufzucht und Prüfung großen Wert auf Rittigkeit und Härte. Wir profitieren noch heute von dieser durch harte Selektion entstandenen Rasse in unserer Zucht z.B. durch den Burnus x-Vater Lapis oder den allseits bekannten Bajar. Übrigens liegt der Unterschied zum Trakehner lediglich in wechselndem züchterischen Einsatz des englischen Voltblüters. Der Gebrauchswert beider Rassen lag in der Eignung als Militärpferd und wurde dahingehend selektiert. Wenn der Vorsitzende des Trakehner Verbandes Dr. Camp jetzt davon spricht dass diese Prüfungsform nur für Spezialblutpferde, was auch immer er damit meint, geeignet ist, hatte er bei seiner Anwesenheit in Marbach wohl die verkehrte Brille auf, ansonsten muss man ihm jegliche Kompetenz absprechen. Selbst unser Zuchtleiter Lars Gehrmann zeigte sich, wie er mir im Gespräch andeutete, doch beeindruckt von den Anforderungen. Sogar der 39 km Konditionsritt rang ihm doch Hochachtung ab. Er fuhr die Strecke mit dem Geländewagen ab. Sicher wird es bei dieser Prüfung nötig sein, zumindest rechnerisch die arabischen Rassen anders zu bewerten, was ja auch durchaus möglich ist.
Es wäre heute marktorientiert und auch liberal, diese Prüfungsform für Hengste in Richtung vielseitige Verwendbarkeit ohne Wenn und Aber anzuerkennen und zwar neben den anderen Prüfungsformen, zumal es ja nur einel verschwindend geringe Anzahl der gekörten Hengste betrifft, obwohl die Prüfung für alle Trakehner geeignet und wünschenswert wäre. Jeder Hengsthalter könnte selbst entscheiden, wohin er seinen Hengst gibt.
Meine Befürchtung ist jedoch, dass die Angst unserer Zuchtleitung vor einem lmageschaden bei der Anerkennung, geschürt übers Internet durch die Schridde- Richelshagen- Oberdieck- Fraktion so groß ist, dass sie nicht erkennen, die Herabsetzung der Mindestanforderung ist ein weitaus größerer Schaden. Die oben genannte Fraktion steht schon in den Startlöchern. Wenn Frau Oberdieck meint, Dressurpferde züchten zu wollen, dann steht es ihr frei, es zu tun, aber man sollte auch die Meinung anderer gelten lassen.
Was bleibt also dem Liebhaber des Edelblutes. Man züchtet reine Trakehner in einem anderen Verband mit der Möglichkeit, laut Aussage unseres Zuchtleiters, mit den Produkten dann wieder zum Trakehner Verband zurück zu kehren. Oder man folgt dem neusten Trend und meldet seinen Hengst in den früher für den doppeltveranlagten Trakehner so erfolgreichen 100 TT nach Polen an. Vielleicht erleben wir dann noch einmal solcher Zeiten, wie die Siege Mahagonis oder Herzrufs in solch einer Prüfung.
Die Gründe einer Ablehnung oder auch nur Verwässerung der langjährig erprobten Prüfungsform des ZSAA für Hengste mit einem höheren Blutanteil ist nicht zu verstehen, zumal auch die anderen Zuchtverbände mitziehen würden. Auch die Teilnahmeberechtigung am Bundeschampionat ist gegeben, was ja wohl das goldene Kalb ist. Die Angst der Nichtanerkennung solch geprüfter Hengste bei anderen Verbänden, wird sich relativieren, sollte aber auch nicht richtungsweisend sein.
Man braucht, glaube ich, kein Prophet zu sein, um zu erkennen, dass Angesichts der auch hier allseits vorhandenen Blutarmut der Bedarf an blutgeprägten Hengsten in absehbarer Zeit steigen wird. Man muss diesen Hengsten nur die Chance der Profilierung ermöglichen und zwar über eine ihren Anlagen entsprechende HLP. Gottfried Hoogen, ein glühender Verfechter des Vollbluteinsatzes in unserer Zucht und profunder Kenner der Materie hat einmal gesagt, der züchterische Wert des Blüters ist unter Umständen erst in der dritten oder vierten Generation wirksam. Nur wie soll er dahin kommen, wenn er schon vorher eliminiert wircl in spezialisierten Prüfungen, die für ihn absolut ungeeignet sind.
Unsere Zuchtleitung wäre, glaube ich, gut beraten bei der inzwischen sehr kleinen Population auf genetische Vielfalt zu achten, den dringend erforderlichen Vollbluteinsatz zu fördern und mehr Liberalisierung in der Zuchtpolitik walten zu lassen, sonst könnte es irgendwann heißen: ,,Ja, wir wollen einen Trakehner aber den mit dem anderen Brand.“

Klaus Marggraf

Gestüt Terra Nova